Zum Erlernen einer zweiten Sprache im Kindergartenalter.
Zu diesem Thema gibt es viele unterschiedliche Meinungen und Theorien, aber auf die Frage "Leidet die Muttersprache bzw. die Entwicklung der Kinder wenn sie eine weitere Sprache im Kindergartenalter lernen?" kann grundsätzlich mit "nein" geantwortet werden. Denn das Gegenteil ist der Fall. Bilingualer Unterricht fördert nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, sondern mehrsprachige Kinder sind langfristig auch kognitiv leistungsfähiger und fremden Sprachen und Kulturen gegenüber toleranter.
Bilinguale Erziehung schon im Vorschulalter bietet dem Kind eine wichtige Grundlage und optimale Voraussetzung für die spätere sprachliche Förderung in der Schule. Da kleinen Kindern das Erlernen unterschiedlicher Sprachen ≥leichter„ fällt als Erwachsenen, weil Sie fremde Sprachen unbewußt aufnehmen, so wie sie auch ihre Muttersprache lernen, ist es ratsam mit dem Sprachunterricht so früh wie möglich zu beginnen. Bis zum sechsten Lebensjahr gelingt das Erlernen weiterer Sprachen in der Regel langfristig am erfolgreichsten. Bis etwa zum Ende des 3. Lebensjahres können Kinder mehrere Sprachen simultan, also gleichzeitig lernen. Danach erfolgt das Lernen einer Sprache eher sequential, also nacheinander. Mit 10 Jahren lernt man im Allgemeinen keine Fremdsprache mehr akzentfrei.
Voraussetzung für optimalen Sprachunterricht sind natürlich gut ausgebildete Lehrer. Die Kinder sollen durch spielerischen und ungezwungenen Zugang und Umgang mit der Sprache, Freude und Interesse an dieser finden. Durch die Schaffung einer stimulierenden fremdsprachigen Atmosphäre haben Kinder die Möglichkeit die Sprache mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu verinnerlichen. Freude am Hören, Sprechen, Verstehen und am Wiedererkennen von anderssprachigen Begriffen, Phrasen, Wörtern und Liedern sind für einen erfolgreichen Sprachunterricht Voraussetzung.
Für Kinder die eine weitere Sprache nicht im familiären Umfeld lernen können, geben soziale ≥Nischen„ wie bilinguale Kindergärten oder Schulen eine wichtige Möglichkeit von all diesen Vorteilen zu profitieren.
Vergleichen Sie dazu auch:
Krashen, S. (1981): Second Language Acquisition and Second Language Learning, Oxford 1981
Piaget, J. (1968): La naissance de l‚intelligence chez l‚enfant, Neuchâ tel, Englisch: On the Development of Memory and Identity, Worcester, Mass. 1968. Deutsch: Das Erwachen der Intelligenz beim Kinde, Stuttgart 1975
Vygotsky, L.S. (1962): Thought and Language, Cambride, Massachusetts. Deutsch: Denken und Sprechen, Frankfurt am Main.
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